DIESE TÄTIGKEITEN WARTEN AUF SIE

Die Bruderschaft

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Unser Bereich Advisory & Transaction Services | Occupier vertritt ausschließlich Immobiliennutzer in ihren Immobilienbelangen über alle Phasen des. Er stammte aus Kalifornien. ValueNow war ein typisches Online-Angebot: jede Menge Promotion, jede Menge Schulden. Stimmt schon, Rook ist zu mir gekommen.

Untitled - Der Begleiter

Und er will die NATO zerschlagen. Die audiovisuelle Präsentation war beendet — es war an der Zeit für eine ernsthafte Unterredung. Ein Schmerz durchfuhr Teddys Beine und er verzog unwillkürlich das Gesicht. Er geht behutsam vor, er plant, er bringt seine Leute in Position. Das Ganze kommt nicht gerade unerwartet. Wir kennen diese Szenarien seit acht Jahren, aber es gab immer die Hoffnung, dass er nicht so weit gehen würde. Während wir hier sitzen und uns unterhalten, eliminieren Tschenkow und Golzin ihre Gegner.

Wenn er schlau ist — und das ist er mit Sicherheit —, wartet er, bis es zu Unruhen kommt. Es trat eine lange Pause ein, in der er über das Ende der Welt nachdachte. Das ungute Gefühl im Bauch hatte deutlich nachgelassen.

Lake gefiel ihm sehr. Er sah tatsächlich gut aus, er war wortgewandt und intelligent. Sie hatten die richtige Wahl getroffen. Nach einer Tasse Kaffee und einem Anruf, den Teddy entgegennehmen musste — er kam vom Vizepräsidenten —, setzten sie ihre Unterhaltung fort.

Die Russen kamen und doch schien Teddy ganz gelassen. Wenn wir unvorbereitet sind, könnte ein Krieg daraus werden. Aber wenn wir stark sind, können wir ihn vermeiden.

Im Augenblick wäre das Pentagon nicht imstande zu tun, was es im Golfkrieg getan hat. Einen Krieg, den wir nicht gewinnen können. Tschenkow gibt jeden Cent, den er stehlen kann, für Material aus. Wir dagegen kürzen das Budget und reduzieren die Truppenstärke. Wir wollen auf Knöpfe drücken und intelligente Bomben ins Ziel schicken, damit kein amerikanisches Blut vergossen wird. Aber Tschenkow wird zwei Millionen hungrige Soldaten haben, die bereit sind zu kämpfen und, wenn es sein muss, zu sterben.

Einen Augenblick lang war Lake stolz. Er hatte den Mut gehabt, gegen den letzten Haushaltsentwurf zu stimmen, weil dieser eine Senkung der Militärausgaben vorsah. Die Menschen in seinem Wahlkreis hatten für diese Kürzungen kein Verständnis gehabt. Wir haben sehr gute Informanten. Das ist das alte Geheimdienst-Spiel, Mr. Es ist noch zu früh, um zu enthüllen, was er vorhat. Es war vermessen, Teddy zu fragen, was er tun wolle.

Die Unterredung hatte ihren Zweck erfüllt: Ein weiterer Abgeordneter war ausreichend informiert worden. Jeden Augenblick konnte das Gespräch beendet sein, damit irgendein anderer Ausschussvorsitzender hereingebeten werden konnte. Zur Wahl stehen vier Republikaner und drei Demokraten und alle sagen dasselbe. Kein einziger Kandidat will die Militärausgaben erhöhen. Wir haben — Wunder über Wunder — einen Haushaltsüberschuss, und jeder hat viele schöne Ideen, wofür man dieses Geld ausgeben könnte.

Noch vor ein paar Jahren hatten wir ein riesiges Defizit, und der Kongress hat das Geld schneller ausgegeben, als man es drucken konnte. Jetzt haben wir einen Überschuss, und der Kongress mästet sich daran. Sehen Sie sich die Favoriten bei den Vorwahlen vor zwei Wochen an. Es ist zum Verrücktwerden. Lake, und wir glauben, dass Sie dieser Jemand sind. Lake unterdrückte ein Lachen, indem er erst lächelte und dann hustete. Er überspielte seine Verblüffung und sagte: Das Schöne an unserem Plan ist seine Einfachheit.

Sie sind zu spät dran, um sich in New Hampshire zur Wahl zu stellen, aber das macht gar nichts. Sollen die anderen sich dort zerfleischen. Wir warten, bis die Vorwahl dort gelaufen ist, und dann überraschen Sie die Nation mit der Bekanntgabe Ihrer Kandidatur.

Das ist genau das, was wir wollen. Sie werden nämlich sehr schnell erfahren, wer Sie sind. Für den Anfang wird Ihr Programm nur aus einem einzigen Punkt bestehen: Ihrer Haltung zum Rüstungsbudget. Sie werden den Teufel an die Wand malen und allerlei düstere Aussagen darüber machen, wie sehr unsere Streitkräfte geschwächt werden. Jetzt habe ich Ihre volle Aufmerksamkeit. Eine Verdoppelung im Verlauf einer Legislaturperiode. Du meine Güte — letztes Jahr, bei diesem Balkandesaster, sind sie uns beinahe ausgegangen.

Wir kriegen nicht genug Soldaten, Matrosen und Piloten, Mr. Das Militär braucht jede Menge Geld, um junge Leute anzuwerben. Soldaten, Raketen, Panzer, Flugzeuge, Flugzeugträger — wir haben von allem zu wenig. Tschenkow ist dabei aufzurüsten. Wir rüsten ab, und wenn das noch über eine Legislaturperiode so weiter geht, dann sind wir geliefert. Teddy erhob die Stimme und klang beinahe wütend, und als er sagte: Teddy schnaubte verächtlich und sagte: Machen Sie sich keine Sorgen um das Geld.

Kurz nachdem Sie Ihre Kandidatur bekannt gegeben haben, werden wir den Amerikanern eine Heidenangst einjagen. Aber wir werden sie wachrütteln. Wir werden auf der anderen Seite der Welt eine Krise heraufbeschwören und plötzlich wird Aaron Lake ein Visionär sein. Die zeitliche Abstimmung ist entscheidend. Sie werden eine Rede darüber halten, wie schwach unsere Position in Asien ist, und kaum jemand wird Ihnen zuhören. Und so wird es während des gesamten Wahlkampfs weitergehen. Wir bauen die Spannung auf.

Wir haben ein paar ungewöhnliche Dinge getan, immer in dem Bestreben, unser Land zu schützen. Lake schob langsam den Stuhl zurück, erhob sich, streckte Arme und Beine und ging am Tisch entlang zum anderen Ende des Raumes. Die Falle war zugeschnappt: Langsam kehrte er zu seinem Platz zurück. Etwa die Hälfte dieser Summe hatte er in Investmentfonds angelegt, weitere in Kommunalobligationen.

Er hatte keine nennenswerten Schulden und in seiner Wahlkampfkasse befanden sich 40 Dollar. Wieder erschienen Bilder an der Wand, gestochen scharf und in Farbe. Sehen Sie sich das an. Wir werden nur einen Bruchteil davon benötigen. Ich schätze, wir werden mit Leichtigkeit hundert Millionen kriegen können.

Und machen Sie sich darüber keine Sorgen. Das Geld wird schon kommen. Es wird ein Erdrutschsieg werden. Teddy Maynard bot ihm also einen Erdrutschsieg an. Im vergangenen Jahr hatte der Militärhaushalt eine Höhe von Milliarden.

Wenn man das innerhalb von vier Jahren auf Milliarden verdoppelte, würden die Rüstungsunternehmen satte Gewinne einfahren. Und den Arbeitern würde es gut gehen. Die Löhne und Gehälter würden steil ansteigen. Die Arbeitgeber würden den Kandidaten Lake mit Geld unterstützen und die Gewerkschaften würden ihm Wählerstimmen verschaffen.

Man kassierte das Geld von denen, die von seiner Wahl profitieren würden. Man gewann mit überwältigender Mehrheit. Und rettete damit die Welt. Da gibt es die Gewerkschaften, die Verbände der Ingenieure und leitenden Angestellten, verschiedene Arbeitgebervereinigungen — wir haben jede Menge Auswahl. Lake war in Gedanken bereits dabei, sie zu gründen.

Hunderte von Interessengruppen, allesamt ausgestattet mit Geld — er würde mehr Mittel zur Verfügung haben als je ein Kandidat zuvor.

An die Stelle des Schocks war jetzt Begeisterung getreten. Unzählige Fragen schössen ihm durch den Kopf: Wer wird mein Vizepräsident sein? Wer leitet die Kampagne? Wen ernenne ich zu meinem Stabschef? Wo soll ich meine Kandidatur bekannt geben? Doch er beherrschte sich. Wir planen diese Sache schon seit einiger Zeit. Man hat Sie sorgfältig ausgewählt, Mr. Es gab viele potenzielle Kandidaten, und Ihr Name tauchte immer wieder ganz oben auf der Liste auf.

Wir haben Ihren Hintergrund überprüft. Nur Ihre Beziehung zu Ms. Valotti macht mir ein wenig Sorgen. Sie ist zweimal geschieden und hat eine Schwäche für Schmerztabletten. Halten Sie sich fern von diesem Quatsch. Überlassen Sie das den Heulsusen aus Hollywood. Valotti bringt Ihnen nichts als Ärger. Seit dem Tod seiner Frau war sein Privatleben nicht gerade aufregend, doch auf einmal war er geradezu stolz auf diese Tatsache.

Benchly ist eine attraktive Frau und macht einen stabilen Eindruck. Er war es leid, darüber zu debattieren. Er war für und gegen die Freigabe von Abtreibungen gewesen, hatte sich für die Selbstbestimmung der Frau und dann wieder für das Recht des ungeborenen Lebens stark gemacht und die Feministinnen hatten ihn abwechselnd unterstützt und bekämpft. Nein, die Abtreibungsfrage schreckte ihn nicht mehr, jedenfalls nicht im Augenblick. Teddy machte eine wegwerfende Handbewegung.

Es wurde niemand verurteilt. Ihr damaliger Partner hat Bankrott gemacht und wurde angeklagt, aber die Geschworenen haben ihn freigesprochen. Man wird das ausgraben — man wird alles ausgraben —, aber wir, Mr. Lake, werden die Aufmerksamkeit auf andere Themen lenken. Das ist der Vorteil, wenn man seine Kandidatur in letzter Minute erklärt: Die Presse hat nicht genug Zeit, alte Geschichten hervorzukramen. Es hat bisher nur einen einzigen Präsidenten gegeben, der nicht verheiratet war.

Das wird kein Thema sein. Sie sind der ideale Kandidat. Wir werden uns um die Themen kümmern, wir werden den Leuten Angst machen und wir werden Geld einsammeln.

Lake erhob sich abermals, ging auf und ab, strich sich über das Haar, rieb sich das Kinn und versuchte, einen klaren Kopf zu bekommen. Lassen Sie uns morgen noch einmal darüber sprechen, hier, um dieselbe Zeit. Überschlafen Sie es, Mr. Die Zeit drängt, aber ich finde, vor einer solchen Entscheidung sollte man vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit haben.

Ich werde darüber nachdenken. Morgen gebe ich Ihnen meine Antwort. Sie befand sich in einer Ecke, die mit Glas und einer unverputzten Ziegelsteinmauer abgetrennt war. Das Ganze war sehr geschmackvoll ausgeführt und mit Steuergeldern bezahlt worden.

In dieser juristischen Bibliothek waren Regale voller häufig benutzter Bücher so dicht aneinander aufgestellt, dass man sich kaum dazwischen hindurchzwängen konnte. In der juristischen Bibliothek regierte die Bruderschaft. Selbstverständlich stand der Raum allen Insassen zur Verfügung, doch es gab ein ungeschriebenes Gesetz, das besagte, dass man die Erlaubnis der Richter brauchte, um sich dort aufzuhalten.

Nun ja, vielleicht musste man sie nicht gerade um Erlaubnis fragen — aber wenigstens in Kenntnis setzen. Richter Hatlee Beech aus Texas war offiziell der Bibliothekar der juristischen Abteilung und wurde mit fünfzig Cent pro Stunde am besten bezahlt.

Sein Lohn war deshalb so niedrig, weil er so wenig von Computern verstand. Gewöhnlich verbrachten die drei sechs bis acht Stunden täglich in der juristischen Bibliothek. Wenn einer der Insassen ein juristisches Problem hatte, vereinbarte er einfach einen Termin mit einem der. Richter und suchte ihn dort auf. Finn Yarber kümmerte sich um Konkursverfahren, Scheidungen und Sorgerechtsfragen.

Er wollte kein Spezialgebiet. Er schrieb die Briefe. Strenge Regeln verboten es den Richtern, für ihre Beratungen ein Honorar zu verlangen, doch strenge Regeln bedeuteten wenig. Immerhin waren sie ja alle verurteilte Verbrecher, und wen störte es schon, wenn sie ein bisschen nebenbei verdienten? Bei etwa einem Viertel der Neuankömmlinge in Trumble enthielt die Urteilsbegründung juristische Fehler. Beech konnte sich eine Akte über Nacht vornehmen und etwaige Schlupflöcher finden.

Vor einem Monat war es ihm gelungen, für einen jungen Mann, der fünfzehn Jahre bekommen hatte, vier Jahre herauszuschinden. Dessen Familie hatte nur zu gern bezahlt, und so hatte die Bruderschaft ihr bisher höchstes Honorar verdient: Am hinteren Ende der juristischen Bibliothek befand sich ein kleines Besprechungszimmer, dessen verglaste Tür hinter Regalen verborgen und daher vom Hauptsaal aus kaum zu sehen war. Es interessierte sich ohnehin niemand dafür, was dort geschah.

In diesen Raum zogen sich die Richter zurück, wenn sie vertrauliche Dinge zu besprechen hatten. Sie nannten ihn das Richterzimmer. Spicer hatte soeben Besuch von ihrem Anwalt gehabt, der ihm Post gebracht hatte — ein paar wirklich erfreuliche Briefe.

Ein Brief für Ricky. Curtis ist der mit den Schmuckgeschäften. Dein Brief vom 8. Januar hat mich zum Weinen gebracht. Ich habe ihn dreimal gelesen, bevor ich ihn aus der Hand legen konnte.

Warum lassen sie dich nicht raus? Er ist jetzt seit einem Jahr da drin, clean und völlig geheilt, aber die bösen Leute von der Klinik wollen ihn erst im April rauslassen, weil sie Dollar pro Monat von seinem Onkel kriegen, der ihn hinter Schloss und Riegel haben will und ihm kein Taschengeld schickt.

Und deinen Onkel ebenfalls. Was für ein Versager! Reiche Leute wie er denken immer, wenn sie Geld schicken, brauchen sie sich nicht selbst zu kümmern. Ich habe dir ja schon geschrieben, dass mein Vater sehr reich war, aber zugleich war er auch der unglücklichste Mensch, den ich je gekannt habe. Er hatte nie Zeit für mich. Für den Fall, dass du irgendetwas aus dem Klinikladen brauchst, habe ich einen Scheck über Dollar beigelegt. Ach, Ricky, ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen.

Ich habe meiner Frau gesagt, dass in Orlando im April eine internationale Diamantenschau stattfindet, und sie hat keine Lust, mich zu begleiten. Spicer drehte den Briefbogen um und las weiter: Bist du sicher, dass sie dich im April rauslassen? Bitte sag, dass es so ist! Es vergeht keine Stunde, in der ich nicht an dich denke. Sie würden ihn später eingehend studieren. Er hielt den Scheck über Dollar hoch, damit seine Kollegen ihn sehen konnten. Zu gegebener Zeit würde er von ihrem Anwalt hinausgeschmuggelt und auf ihr geheimes Konto eingezahlt werden.

Die haben keine Wachen, sondern Berater. Und wenn Ricky nun beim Duschen oder im Umkleideraum von einem Finsterling überfallen wird, der es auf seinen schönen Körper abgesehen hat? Er könnte auf die Idee kommen, dass Ricky sich was Ansteckendes eingefangen hat. Und so bastelten sie noch ein paar Minuten an Rickys trauriger Geschichte. Sein Foto stammte von der Pinnwand eines anderen Gefängnisinsassen und war von ihrem Anwalt kopiert und inzwischen an mehr als ein Dutzend Brieffreunde in ganz Amerika verschickt worden.

Es war das Foto eines lächelnden Universitätsstudenten mit dunkelblauer Robe und Doktorandenhut, der ein zusammengerolltes Diplom in der Hand hielt. Er war ein sehr gut aussehender junger Mann. Man beschloss, Beech solle die Geschichte in den kommenden Tagen weiterentwickeln und einen groben Entwurf des nächsten Briefes an Curtis ausarbeiten.

Percy hatte fünf Angeln ausgeworfen, die er langsam einholte. Er koordinierte alles, half beim Ausdenken der Geschichten, sorgte dafür, dass sie stimmig waren, und hielt den Kontakt zu dem Anwalt, der ihnen die Post brachte.

Und er kümmerte sich um das Geld. Beech und Yarber erstarrten und sahen den Brief an. Aus den sechs Briefen, die Quince an Ricky geschrieben hatte, war hervorgegangen, dass er ein reicher Bankier aus einer kleinen Stadt in Iowa war. Wie alle anderen hatten sie ihn durch eine Kontaktanzeige in den Schwulenmagazinen gefunden, die jetzt in der juristischen Bibliothek versteckt waren.

Er war der zweite, der angebissen hatte — der erste hatte Verdacht geschöpft und nicht mehr geantwortet. Quinces Foto war ein Schnappschuss am Ufer eines Sees und zeigte ihn im Kreis seiner Familie, mit nacktem Oberkörper und dem Schmerbauch, den dünnen Armen, dem schütteren Haar eines Einundfünfzigjährigen.

Es war ein schlechtes Foto, das Quince zweifellos deshalb ausgesucht hatte, weil es nicht leicht sein würde, ihn zu identifizieren, sollte es jemand versuchen. Der nahm ihn und betrachtete den Umschlag.

Beech zog langsam den Brief aus dem Umschlag. Beech räusperte sich und las vor: Ich kann's noch gar nicht fassen, aber ich hab's wirklich getan.

Ich bin in eine Telefonzelle gegangen und hab das Geld per Postanweisung überwiesen, so dass es nicht zurückverfolgt werden kann — ich glaube, ich habe keine Spuren hinterlassen. Die New Yorker Agentur, die du mir empfohlen hast, war hervorragend — sehr diskret und hilfsbereit. Ich will ehrlich sein, Ricky: Ich hatte eine Heidenangst. Bis vor ein paar Wochen wäre es mir nicht im Traum eingefallen, eine Kreuzfahrt mit lauter Homosexuellen zu buchen.

Aber soll ich dir was sagen? Ich bin so stolz auf mich! Wir haben eine Luxuskabine für tausend Dollar die Nacht. Ich kann's kaum erwarten. Beech hielt inne und sah seine Kollegen über die tief auf der Nase sitzende Lesebrille hinweg an.

Die beiden lächelten verträumt. Ich werde am neunten in Miami ankommen, so dass wir nur wenig Zeit haben werden, uns kennen zu lernen. Treffen wir uns doch auf dem Schiff, in unserer Kabine. Ich werde als Erster da sein, meine Sachen in die Kabine bringen lassen, den Champagner kalt stellen und auf dich warten. Drei Tage, nur für uns allein! Wenn es nach mir geht, werden wir die ganze Zeit im Bett verbringen. Beech konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, doch irgendwie gelang es ihm, dabei angeekelt den Kopf zu schütteln.

Endlich habe ich beschlossen, herauszufinden, wer ich wirklich bin, und du, Ricky, hast mir den Mut gegeben, den ersten Schritt zu tun.

Obwohl wir uns bis jetzt nur brieflich kennen, kann ich dir gar nicht genug danken. Bitte schreib mir so schnell wie möglich und gib auf dich Acht, mein Ricky. Es gab zu viel zu tun. Wir wissen, dass sein Vater sich noch nicht zur Ruhe gesetzt hat, und man kann sich vorstellen, wie der Alte ausrasten wird, wenn er hört, dass sein Sohn ein Schwuler ist.

Quince kann es sich nicht leisten, vor die Tür gesetzt zu werden, also wird er zahlen, was wir verlangen. Es ist die ideale Situation. Beech machte sich bereits Notizen, ebenso wie Yarber. Spicer ging in dem kleinen Raum auf und ab wie ein Bär.

Beech las den Entwurf vor. Über deinen Brief vom vierzehnten Januar habe ich mich sehr gefreut. Wie schön, dass du die Schwulen-Kreuzfahrt gebucht hast. Das klingt wirklich faszinierend. Es gibt nur ein einziges kleines Problem: Ich werde nicht dabei sein können, und das hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass ich erst in ein paar Jahren entlassen werde.

Ich bin nämlich nicht in einer Drogenklinik, sondern im Gefängnis. Und ich bin alles andere als schwul. Ich habe eine Frau und zwei Kinder und denen geht es finanziell gar nicht gut, weil ich ja im Knast sitze und sie nicht unterstützen kann.

Und das ist der Punkt, an dem du ins Spiel kommst, Quince: Ich brauche etwas von deinem Geld. Ich will hunderttausend Dollar. Nennen wir es einfach Schweigegeld.

Du schickst es mir und ich vergesse diese ganze Ricky-Geschichte und die Schwulen-Kreuzfahrt und kein Mensch in Bakers, Iowa, wird je etwas davon erfahren, weder deine Frau noch deine Kinder, dein Vater oder der Rest deiner reichen Familie.

Das Ganze nennt sich Erpressung, Quince, und du bist in die Falle getappt. Es ist grausam, gemein und ein Verbrechen, aber das ist mir egal.

Du hast Geld und ich brauche welches. Sie lasen den Brief noch einmal und erörterten, ob der Zeitpunkt für diesen Schritt richtig war. Sie sprachen weder über die Gesetzeswidrigkeit dieser Sache noch über die Strafe, die sie erwartete, falls sie aufflogen. Das alles war vor Monaten geklärt worden, als Joe Roy Spicer die anderen beiden überzeugt hatte mitzumachen.

Im Verhältnis zum möglichen Ertrag war das Risiko minimal. Männer, die ihnen in die Falle gingen, würden wohl kaum zur Polizei laufen und Anzeige wegen Erpressung erstatten. Doch bisher hatten sie noch keinen erpresst. Sie standen in Briefkontakt mit rund einem Dutzend potenziellen Opfern — allesamt Männer in mittleren Jahren, die den Fehler begangen hatten, auf diese Kleinanzeige zu antworten:.

Eine einzige, klein gedruckte Anzeige auf den letzten Seiten eines Schwulenmagazins hatte sechzig Antworten gebracht. Spicer war die Aufgabe zugefallen, die Briefe durchzusehen und die reichen Opfer herauszusieben.

Anfangs war er widerwillig gewesen, doch nach und nach hatte er Gefallen daran gefunden. Und jetzt war es auf einmal ein Geschäft, denn sie waren im Begriff, einen vollkommen unschuldigen Menschen um Dollar zu erpressen.

Ihr Anwalt würde ein Drittel der Summe einstecken. Das war der übliche Tarif, aber dennoch ein frustrierend hoher Anteil. Doch es blieb ihnen keine andere Wahl. Er war für die Durchführung unerlässlich. Sie feilten noch eine Stunde lang an dem für Quince bestimmten Brief und beschlossen dann, die Sache noch einmal zu überschlafen, bevor sie die Endfassung schrieben. Es war noch ein weiterer Brief gekommen, und zwar von einem Mann, der das Pseudonym Hoover gebrauchte.

Er verriet nichts Persönliches und erwähnte Geld mit keinem Wort. Die drei beschlossen, ihm etwas mehr Zeit zu lassen. Sie würden von Vögeln schreiben und versuchen, das Thema körperliche Liebe anzuschneiden. Wenn Hoover den Wink ignorierte und nicht deutlicher wurde, was seine finanzielle Situation betraf, würden sie ihn fallen lassen. Es gab Gefangene in Trumble, aber nur wenige wollten fliehen. Das Gefängnis war angenehmer als die meisten Schulen.

Es gab klimatisierte Zellen, eine saubere Cafeteria mit täglich drei warmen Mahlzeiten, einen Fitnessraum, Billardtische, Kartenspiele, Squash, Basketball, Volleyball, eine Aschenbahn, eine Bibliothek, eine Kapelle, diverse Geistliche, Berater, Sozialarbeiter und unbegrenzte Besuchszeiten.

In Trumble hatte man es so gut, wie man es als Gefangener nur haben konnte. Alle Insassen galten als leichte Fälle. Etwa 40 hatten Banküberfälle begangen, ohne jemanden zu verletzen oder ernsthaft zu bedrohen. Floyd ein, ein Chirurg, der das staatliche Gesundheitsvorsorge-Programm im Lauf von zwei Jahrzehnten um sechs Millionen Dollar betrogen hatte.

Gewalt wurde in Trumble nicht geduldet und echte Drohungen waren selten. Es gab zahlreiche Regeln und die Gefängnisleitung hatte kaum Schwierigkeiten, sie durchzusetzen. Vor seinem tiefen Fall hatte er von den berühmten Angola-Erpressungen gehört.

In Angola, dem Staatsgefängnis von Louisiana, hatten einige Insassen die Erpressung von Homosexuellen derart perfektioniert, dass sie, bevor man ihnen auf die Schliche gekommen war, ihren Opfern rund Dollar abgenommen hatten. Spicer stammte aus einer ländlichen Gegend nicht weit von der Grenze zu Louisiana und die Angola-Sache wurde dort eifrig diskutiert. Nicht im Traum wäre ihm eingefallen, sie zu kopieren, doch dann erwachte er eines Tages im Bundesgefängnis und beschloss, jeden Menschen auszunehmen, den er zu fassen bekommen konnte.

Jeden Tag um ein Uhr marschierte er um die Aschenbahn, gewöhnlich allein, immer mit einer Packung Marlboro in der Tasche. Vor seiner Verurteilung hatte er zehn Jahre nicht geraucht; jetzt war er wieder bei zwei Päckchen pro Tag. Also marschierte er, um den Schaden für seine Lunge zu minimieren.

Für den Gewichtsverlust war wohl eher das Bierverbot verantwortlich. Sie hatte ihm geholfen, den Rest der Beute zu verjubeln — insgesamt Dollar, obgleich die Bundespolizei nur den Verbleib der Hälfte des Geldes hatte klären können. Sie hatten Cadillacs gekauft und waren erster Klasse von New Orleans nach Las Vegas geflogen und dort waren sie auf Casinokosten in Limousinen herumgefahren worden und hatten in Luxussuiten gewohnt.

Sofern er noch irgendwelche Träume hatte, war einer davon, Berufsspieler mit Hauptwohnsitz in Las Vegas zu werden, aber in Casinos in aller Welt bekannt und gefürchtet zu sein. Sein bevorzugtes Spiel war Blackjack, und obwohl er viel Geld verloren hatte, war er überzeugt, dass er jede Bank sprengen konnte. In der Karibik gab es Casinos, die er noch nicht kannte.

Er würde um die Welt reisen, erster Klasse, mit seiner Frau oder ohne sie, er würde in teuren Hotels absteigen, sich Essen und Drinks in seiner Suite servieren lassen und jeden Blackjack-Geber, der dumm genug war, ihm Karten auszuteilen, das Fürchten lehren. Er würde die 90 in seinem Garten ausgraben, sie zu seinem Anteil aus den Erpressungen hinzufügen und nach Las Vegas ziehen.

Mit seiner Frau oder ohne sie. Sie war seit vier Monaten nicht mehr in Trumble gewesen und dabei war sie früher alle drei Wochen gekommen. Er hatte Alpträume, in denen sie den Garten umpflügte und nach dem Geldversteck suchte. Er war beinahe überzeugt, dass sie nichts von dem Geld wusste, aber es blieben doch ein paar Zweifel. Zwei Tage vor seinem Strafantritt hatte er getrunken und die 90 Dollar erwähnt.

Er konnte sich nicht mehr an den Wortlaut erinnern. Sosehr er sich auch das Hirn zermarterte — es fiel ihm nicht mehr ein, was er ihr erzählt hatte. Nach dem ersten Kilometer zündete er sich noch eine Marlboro an. Möglicherweise hatte sie inzwischen einen Freund.

Einer von Joe Roys übelsten und immer wiederkehrenden Alpträumen war eine Szene aus einem schlechten Film: Rita und ein ihm unbekannter Mann standen im strömenden Regen und gruben mit Schaufeln den Garten um. Warum es in seinem Traum regnete, wusste er nicht. Aber es war immer Nacht. Ein Gewitter tobte, und im Licht der Blitze konnte er sehen, wie sie gruben und dem Schuppen immer näher kamen.

Joe Roy sehnte sich nach Geld. Er fühlte es geradezu in seinen Händen. Solange er in Trumble war, würde er aus den Opfern ihrer Erpressung so viel herausholen, wie er nur konnte, und dann würde er das vergrabene Geld holen und nach Las Vegas fliegen. Niemand in seiner Heimatstadt sollte das Vergnügen haben, mit dem Finger auf ihn zu zeigen und zu flüstern: Sieht so aus, als hätten sie ihn aus dem Knast entlassen. Mit ihr oder ohne sie. Teddy betrachtete die Pillenfläschchen.

Sie waren am Rand des Tisches aufgereiht wie kleine Scharfrichter, die nur darauf warteten, ihn von seinen Schmerzen zu befreien. Teddy hatte jetzt die Augen geschlossen und massierte seine Schläfen. Irgendwo zwischen ihnen, irgendwo tief in seinem Gehirn, waren die Namen von Lakes Freunden, Vertrauten und Geldgebern, seinen Wahlkampfhelfern und Highschool-Lehrern ordentlich gespeichert und bei Bedarf abrufbereit.

Nur die üblichen Fragen, wie man sie von einem erwartet, der über einen so überraschenden Schritt nachdenkt. Seine Freunde waren verwundert, teilweise sogar schockiert und ein bisschen zurückhaltend, aber davon werden sie sich schon erholen. Er hat ausweichend geantwortet und gesagt, das werde kein Problem sein.

Er hat elf Anrufe von seinem Büro und acht von seinem Haus geführt. Keinen einzigen von seinem Handy. Sie haben im Grunde die Kampagne geplant. Schiara will, dass er kandidiert. Sie wollen Nance aus Michigan als Vize. Wir überprüfen ihn gerade. Man hat ihm den Schlüssel zum Königreich angeboten. Er schreibt bereits Reden. Teddy nahm eine Tablette aus einem der Fläschchen, schluckte sie ohne Flüssigkeit hinunter und zog die Augenbrauen zusammen, als wäre sie etwas Bitteres.

Dann glättete er mit der Hand die Falten auf seiner Stirn und sagte: Dass dieser Typ keine Leichen im Keller hat. Wir haben ihn sechs Monate lang überwacht. Weit und breit nichts, was uns Sorgen machen müsste. Dieses Gespräch war die Wiederholung eines Gesprächs, das sie schon oft geführt hatten.

Eine weitere Wiederholung konnte nicht schaden. Abermals wurde Aaron Lake zu dem Raum tief in der Zentrale der CIA eskortiert, diesmal von drei gut aussehenden jungen Männern, die ihn bewachten, als könnte hinter jeder Ecke eine Gefahr lauern. Er ging noch schneller als am Tag zuvor und hielt sich noch aufrechter. Sein Rücken war kerzengerade. Er schien mit jeder Stunde zu wachsen. Bunker folgte und sich an den langen Tisch setzte. Man tauschte einige Höflichkeitsfloskeln aus.

York war nicht weit von ihnen entfernt in einem anderen Raum, in dem drei mit versteckten Kameras verbundene Monitore jedes Wort, jede Bewegung wiedergaben. Lake, genau darum handelt es sich: Wir versprechen Ihnen, dass Sie gewählt werden, und Sie versprechen uns, dass Sie die Militärausgaben verdoppeln und den Russen Paroli bieten werden.

Das freut mich sehr. Sie werden einen hervorragenden Kandidaten und einen noch besseren Präsidenten abgeben. Die Worte hallten in Lakes Kopf wider — er konnte sie noch nicht ganz glauben: Es erschien ihm zu einfach. Und so sehr er sich auch bemühte — er konnte den Verlockungen nicht widerstehen. All die Hubschrauber und Düsenflugzeuge. Er würde durch die ganze Welt reisen. Hundert Assistenten würden ihm zur Verfügung stehen. Staatsbankette mit den mächtigsten Männern der Welt.

Wenn der Pulverdampf sich verzogen hat. Wenn die Gewinner ihre fünfzehn Minuten Fernsehzeit gehabt und die Verlierer mit Dreck um sich geworfen haben — dann kommen Sie und geben Ihre Kandidatur bekannt. Es ist unerlässlich, dass Sie in diesen beiden Staaten gewinnen. Damit präsentieren Sie sich nämlich als ernsthafter Kandidat und fahren mit vollen Segeln in den März.

Wenn Sie aber am selben Tag auch in Michigan als Sieger hervorgehen, werden Sie ein Kandidat sein, mit dem man rechnen muss. Ich kenne den Vorstandsvorsitzenden. Allerdings sind die Leute, die wir hier im Haus haben, weit besser und die werden Sie keinen Cent kosten.

Nicht dass Geld ein Problem sein wird, wenn Sie verstehen, was ich meine. Jedenfalls werden wir noch heute mit den Fernsehspots anfangen. Ich glaube, sie werden Ihnen gefallen. Sie werden sehr düster sein: Die Apokalypse — so was in der Art.

Die Dinger werden den Leuten eine Heidenangst einjagen. Geld sichert Fernsehzeit und Meinungsumfragen und mehr brauchen wir nicht. Und unsere Botschaft ist weit wichtiger als Steuersenkungen und Minderheitenförderung und Abtreibung und Vertrauen und Familie und all die anderen albernen Dinge, von denen wir so oft hören. Unsere Botschaft ist Leben oder Tod. Unsere Botschaft wird die Welt verändern und unseren Wohlstand sichern. Und das ist es, was uns wirklich bewegt.

Die Leute würden jeden wählen, solange er der amerikanischen Wirtschaft Vorteile verschaffte und den Frieden bewahrte.

Er wollte ebenfalls etwas anbieten. Lake lächelte und nickte. Das war gut zu hören. Teddy erwog die Vorschläge sorgfältig. Keine schlechten Kandidaten, wirklich, auch wenn Guyce nicht in Frage kam. Sie sprachen eine Stunde lang über Geld: Dann über die zweite Welle von der Rüstungsindustrie. Es sollte noch eine vierte Geldwelle geben, von der Lake nie erfahren würde. In Zusammenarbeit mit Leuten vor Ort, die bereits ausgesucht wurden, würde man jede Stimme kaufen, die zu haben war.

Trevors kleine Anwaltskanzlei war in Neptune Beach, ein paar Blocks von Atlantic Beach entfernt, obgleich niemand sagen konnte, wo das eine aufhörte und das andere anfing. Jacksonville lag einige Meilen weiter westlich und kroch unaufhaltsam in Richtung Küste. Die Kanzleiräume befanden sich in einem umgebauten Ferienhaus und von der durchhängenden hinteren Veranda aus konnte Trevor den Strand und das Meer sehen und die Schreie der Möwen hören.

Er fand es beinahe unglaublich, dass er das Ding jetzt schon seit zwölf Jahren gemietet hatte. Anfangs hatte er gern auf der hinteren Veranda gesessen, wo ihn das Telefon und etwaige Mandanten nicht störten, und stundenlang auf die nur zwei Blocks entfernte Weite des Atlantiks gestarrt. Er stammte aus Scranton, North Dakota, und wie alle, die sich aus der Kälte hierher geflüchtet hatten, war er es nach einer Weile leid geworden, aufs Meer zu sehen, barfuss am Strand entlang zu laufen und den Möwen Brotkrumen zuzuwerfen.

Inzwischen schlug er die Zeit lieber in seinem verschlossenen Büro tot. Trevor hatte eine Heidenangst vor Richtern und Gerichtssälen.

Das war zwar ungewöhnlich und in gewissem Sinne sogar ehrenwert, engte ihn aber auch in seiner Berufsausübung ein.

Er musste sich auf Schreibtischarbeit beschränken, auf Grundstücksüberschreibungen, Testamente, Kaufverträge und Bauanträge — all die kleinen, langweiligen, geisttötenden Vorgänge, von denen ihm während des Jurastudiums niemand erzählt hatte. Binnen kurzem war er der offizielle Anwalt der drei ehemaligen Richter Spicer, Beech und Yarber — der Bruderschaft, wie auch er sie nannte.

Er war nicht mehr und nicht weniger als ein Kurier und schmuggelte Briefe, die als anwaltliche Dokumente deklariert waren und somit nicht kontrolliert werden durften. Er gab ihnen keine fachlichen Ratschläge, und sie fragten ihn auch nicht danach. Er verwaltete ihre ausländischen Konten und nahm die Anrufe von Familienangehörigen ihrer in Trumble einsitzenden Mandanten entgegen. Er war der Verbindungsmann für ihre schmutzigen kleinen Geschäfte, und weil er dadurch Gerichtssälen, Richtern und gegnerischen Anwälten aus dem Weg gehen konnte, war Trevor damit ganz zufrieden.

Diese Angola-Sache war absolut brillant, denn die Opfer würden nie und nimmer zur Polizei gehen. Trevor war bereit, das Risiko einzugehen. Er schlich sich aus dem Büro, ohne von seiner Sekretärin gesehen zu werden, und fuhr in seinem restaurierten VW-Käfer — Baujahr , keine Klimaanlage — davon.

Zwischen den Häusern hindurch war das Meer zu sehen. Bald kam er an Pete's Bar and Grill vorbei, der ältesten Bar am Strand, die zugleich seine Stammkneipe war, auch wenn sie inzwischen von den College-Studenten entdeckt worden war. Am Atlantic Boulevard bog er nach Westen ab, kämpfte sich durch den Verkehr in Richtung Jacksonville und fluchte auf die wuchernde Stadt, die Staus und die Wagen mit kanadischen Nummernschildern.

Fünfzig Minuten später parkte er auf dem Parkplatz von Trumble. Jede Menge Parkplätze in der Nähe des Haupteingangs, hübsch gestaltete, von den Insassen täglich gepflegte Grünflächen und moderne, saubere Gebäude. In Trumbles kurzer Geschichte gab es keinen Anwalt, der seine Mandanten so oft besuchte wie Trevor, Man machte noch ein Foto von ihm, drückte ihm einen Stempel mit unsichtbarer Farbe auf den Handrücken und führte ihn durch zwei Türen und einen kurzen Korridor.

Alles blitzte und blinkte und es war niemand zu sehen. Kein Wunder an einem Werktag. Sie gingen zu einem der Anwaltszimmer. Die Überwachungskameras konnten sie hier, hinter der Tür, nicht erfassen. Wie immer tat Spicer so, als hätte er nichts gesehen. Der Aktenkoffer wurde geöffnet, damit Link seinen Inhalt flüchtig untersuchen konnte.

Er tat das, ohne etwas zu berühren. Link nahm den Umschlag, bog ihn durch, um sich davon zu überzeugen, dass er keine Waffe oder ein Tablettenröhrchen enthielt, und gab ihn Trevor zurück. Sie hatten das bereits Dutzende Male gemacht. Die Vorschriften besagten, dass beim Öffnen der Umschläge ein Aufseher anwesend sein musste, doch die beiden Zwanziger sorgten dafür, dass Link hinausging und Posten vor der Tür bezog, weil es im Augenblick einfach nichts anderes zu bewachen gab.

Er wusste, dass Briefe ausgetauscht wurden, aber das war ihm egal. Es gab hier ohnehin zu viele idiotische Vorschriften. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Tür und es dauerte nicht lange, bis er halb eingedöst war, das eine Bein gestreckt, das andere leicht angewinkelt. Im Anwaltsraum wurden keine juristischen Fragen erörtert. Spicer war noch immer in die Basketball-Ergebnisse vertieft. Die meisten anderen Insassen freuten sich über Besuch, Spicer dagegen nahm ihn lediglich in Kauf. Sein Bruder sagt, in Trumble ist ein ehemaliger Bundesrichter, der sich die Unterlagen angesehen hat und möglicherweise ein paar Jahre Strafnachlass rausholen kann.

Dieser Richter will dafür aber Geld sehen. Also hat Daggett seinen Bruder angerufen und der wiederum hat mich angerufen. In Wirklichkeit hatte er nur ein einziges Mal einen Bundesgerichtssaal betreten, und zwar am Tag seiner Verurteilung.

Bei seiner Verhandlung hatte der Junge einen Pflichtverteidiger. Mindestens tausend, und zwar im Voraus. Er ist kein Verbrechertyp. Joe Roy war der Geschäftsführer der Bruderschaft. Spicer dagegen, der über wenig Talent und keinerlei juristische Ausbildung verfügte, wusste genug über Menschenführung, um seine Kollegen auf Kurs zu halten.

Während sie trüben Gedanken nachhingen, träumte er von einem Comeback. Joe Roy öffnete einen Schnellhefter und entnahm ihm einen Scheck. Von einem Brieffreund namens Curtis aus Texas. Quince aus lowa ist jetzt fällig. Ich hab ihm geschrieben, wohin er das Geld überweisen soll. Sag der Bank Bescheid.

In seinen dreiundzwanzig Jahren als Anwalt hatte Trevor nie ein Honorar erhalten, das auch nur entfernt an 33 Dollar herangereicht hatte. Auf einmal sah er das Geld vor sich und glaubte es schon in Händen zu haben, und obwohl er sich bemühte, nicht daran zu denken, begann er es bereits auszugeben.

Er würde seinen geliebten Käfer behalten, sich aber vielleicht eine Klimaanlage spendieren. Er hatte zwei weitere Briefe, beide geschrieben von Richter Yarber, der dazu in Percys Rolle geschlüpft war, des jungen Mannes in der Drogenklinik. Trevor nahm sie voller Vorfreude an sich. Trevor kannte einen Buchmacher, der häufig in Pete's Bar kam, und obwohl er nicht oft wettete, hatte er gelernt, dass es sich lohnte, Richter Spicers Tipps zu befolgen.

Fenster und runzelte missbilligend die Stirn. Kartenspiele während der Besuchszeit waren verboten, aber darum kümmerte sich ohnehin niemand. Joe Roy spielte hart und aggressiv, denn er wollte für seine bevorstehende Karriere trainieren. Trevor war zwar nicht besonders gut, aber immer bereit zu einem Spielchen. In Spicers Augen war dies das Einzige, was für ihn sprach. Die Bekanntgabe der Präsidentschaftskandidatur fand in der ausgelassenen Atmosphäre einer Siegesfeier statt: Das bedeutete acht bezahlte Stunden zu einem Durchschnittssatz von 22 Dollar 40, doch das kümmerte den Vorstand wenig.

Sie hatten ihren Wunschkandidaten gefunden. Die eilig errichtete Bühne war ebenfalls mit Fähnchen geschmückt und mit allen verfügbaren Anzugträgern aus den mittleren und oberen Etagen besetzt, die allesamt breit lächelten und wild klatschten, während die Musik die Anwesenden in Schwung brachte. Noch vor drei Tagen hatte praktisch niemand hier gewusst, wer Aaron Lake eigentlich war. Jetzt war er ihr Retter. Er sah jedenfalls aus, wie man sich einen Präsidentschaftskandidaten vorstellte.

Ein neuer Berater hatte ihm einen neuen, schneidigeren Haarschnitt vorgeschlagen und er trug einen dunkelbraunen Anzug, zu dem ihn ein anderer Berater überredet hatte.

Nur Reagan hatte braune Anzüge tragen können und der hatte immerhin zwei überwältigende Wahlsiege errungen. Als Lake endlich energischen Schrittes auf die Bühne trat und die Hände der leitenden Angestellten schüttelte, deren Gesichter er wenige Stunden später vergessen haben würde, brachen die Arbeiter in begeisterten Jubel aus.

Der Tontechniker stellte die Lautstärke der Musik noch ein wenig höher. Lakes Leute hatten ihn und sein Team für 24 Dollar eigens für diesen Auftritt angeheuert. Geld spielte kaum eine Rolle. Ballons fielen wie Manna von der Decke. Einige wurden von Arbeitern, die man zuvor dazu aufgefordert hatte, zum Platzen gebracht, so dass im Hangar eine Geräuschkulisse entstand, die an die erste Welle eines Sturmangriffs erinnerte.

Macht euch bereit für einen Krieg. Der Vorstandsvorsitzende umarmte Lake, als wären sie uralte Freunde — dabei waren sie sich zwei Stunden zuvor zum ersten Mal begegnet. Dann trat der Vorstandsvorsitzende ans Rednerpult und wartete, bis der Lärm sich gelegt hatte. Er zog ein Blatt mit Notizen hervor, die man ihm am Vortag gefaxt hatte, und begann mit einer weitschweifigen und ziemlich wohlwollenden Vorstellung Aaron Lakes, des zukünftigen Präsidenten.

Auf Zeichen wurde er fünfmal durch Applaus unterbrochen. Lake winkte wie ein siegreicher Held und wartete einige Sekunden, bevor er ans Mikrofon trat und verkündete: Als er lange genug gewartet hatte, begann er mit seiner Rede. Sein Thema, sein Programm, sein einziger Grund für die Kandidatur war die nationale Sicherheit und er schnurrte die bestürzenden Zahlen herunter, die bewiesen, wie gründlich die gegenwärtige Regierung das Militär vernachlässigt.

Kein anderes Thema sei von vergleichbarer Bedeutung, sagte er mit schonungsloser Offenheit. Das Land brauche nur in einen Krieg verwickelt zu werden, den es nicht gewinnen könne, und schon würden die alten Streitigkeiten über die Abtreibung, die Rassenfrage, die Waffenkontrolle, die Förderung von Minderheiten, die Steuergesetzgebung nebensächlich sein.

Traditionelle Familienwerte seien in Gefahr? Sobald Soldaten im Kampf fielen, werde man Familien mit echten Problemen sehen. Lake war sehr gut. Er hatte die Rede selbst geschrieben. Seine neuen Berater hatten sie bearbeitet, einige Spezialisten hatten daran gefeilt und gestern Abend hatte er sie dann Teddy Maynard im Bunker von Langley vorgetragen.

Teddy hatte nur noch ein paar kleine Änderungen vorgenommen und sie abgesegnet. York war bei ihm und schwieg wie gewöhnlich. Etwa in der Mitte seiner Rede wurde Lake herrlich wütend auf die Chinesen. In Wirklichkeit waren es eher 50 Prozent, doch Teddy hatte beschlossen, die Zahl ein wenig niedriger anzusetzen. Diese Strategie hatte Teddy sich ausgedacht: Er sollte nicht die Russen, sondern die Chinesen gebrauchen, um den amerikanischen Wählern Angst einzujagen. Der wahre Feind, die wahre Bedrohung sollte erst im Lauf des Wahlkampfs enthüllt werden.

Lakes Timing war nahezu perfekt. Am Schluss seiner Rede stand der Hangar Kopf. Als er versprach, den Militärhaushalt in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit zu verdoppeln, brachen die Arbeiter und Angestellten des Unternehmens, das Kampfhubschrauber herstellte, in wilden Jubel aus.

Teddy sah schweigend zu und war sehr stolz auf seinen Kandidaten. Sie hatten es geschafft, den Vorwahlen in New Hampshire die Schau zu stehlen, indem sie sie einfach ignoriert hatten. Lakes Name hatte dort nicht auf der Liste gestanden und er war seit Jahrzehnten der erste Kandidat, der mit Genugtuung auf diese Tatsache hingewiesen hatte.

Lake verabschiedete sich von den jubelnden Arbeitern und schüttelte noch einmal die Hände der Bosse auf der Bühne. Der CNN-Reporter gab wieder zurück ins Studio, wo Journalisten und Kommentatoren die nächsten fünfzehn Minuten damit verbringen würden, den Zuschauern zu erklären, was sie gerade gesehen hatten. Teddy drückte ein paar Knöpfe auf dem Tisch und auf der Leinwand erschien ein neues Bild.

Es war ein Fernsehwerbespot für den Kandidaten Lake. Er begann mit einer kurzen Einstellung, die eine Reihe grimmig blickender chinesischer Generäle zeigte. Sie nahmen eine Militärparade ab, und. Dann kamen kurze Aufnahmen der aktuellen Bösewichter der Welt, die allesamt Militärparaden abnahmen: Saddam Hussein, Gaddafi, Milosevic, Kim. Eine zweite Explosion, und Tausende von Pakistanis taten dasselbe. Eine neue Stimme war zu hören.

Sie klang heller, und im Bild erschien ein mit zahlreichen Orden geschmückter General, der zu den Mitgliedern eines Kongressausschusses sprach. Das diesjährige Verteidigungsbudget ist niedriger als vor fünfzehn Jahren. Ein weiterer Abgeordneter war ausreichend informiert worden. Jeden Augenblick konnte das Gespräch beendet sein, damit irgendein anderer Ausschussvorsitzender hereingebeten werden konnte.

Zur Wahl stehen vier Republikaner und drei Demokraten und alle sagen dasselbe. Kein einziger Kandidat will die Militärausgaben erhöhen. Wir haben -Wunder über Wunder - einen Haushaltsüberschuss, und jeder hat viele schöne Ideen, wofür man dieses Geld ausgeben könnte.

Noch vor ein paar Jahren hatten wir ein riesiges Defizit, und der Kongress hat das Geld schneller ausgegeben, als man es drucken konnte. Jetzt haben wir einen Überschuss, und der Kongress mästet sich daran.

Sehen Sie sich die Favoriten bei den Vorwahlen vor zwei Wochen an. Es ist zum Verrücktwerden. Lake, und wir glauben, dass Sie dieser Jemand sind. Er überspielte seine Verblüffung und sagte: Lake räusperte sich und fand seine Fassung wieder. Das Schöne an unserem Plan ist seine Einfachheit. Sie sind zu spät dran, um sich in New Hampshire zur Wahl zu stellen, aber das macht gar nichts.

Sollen die anderen sich dort zerfleischen. Wir warten, bis die Vorwahl dort gelaufen ist, und dann überraschen Sie die Nation mit der Bekanntgabe Ihrer Kandidatur. Jetzt habe ich Ihre volle Aufmerksamkeit. Eine Verdoppelung im Verlauf einer Legislaturperiode. Du meine Güte - letztes Jahr, bei diesem Balkandesaster, sind sie uns beinahe ausgegangen. Wir kriegen nicht genug Soldaten, Matrosen und Piloten, Mr.

Das Militär braucht jede Menge Geld, um junge Leute anzuwerben. Soldaten, Raketen, Panzer, Flugzeuge, Flugzeugträger - wir haben von allem zu wenig. Tschenkow ist dabei aufzurüsten. Wir rüsten ab, und wenn das noch über eine Legislaturperiode so weiter geht, dann sind wir geliefert. Machen Sie sich keine Sorgen um das Geld. Kurz nachdem Sie Ihre Kandidatur bekannt gegeben haben, werden wir den Amerikanern eine Heidenangst einjagen.

Aber wir werden sie wachrütteln. Wir werden auf der anderen Seite der Welt eine Krise heraufbeschwören und plötzlich wird Aaron Lake ein Visionär sein. Die zeitliche Abstimmung ist entscheidend. Sie werden eine Rede darüber halten, wie schwach unsere Position in Asien ist, und kaum jemand wird Ihnen zuhören. Und so wird es während des gesamten Wahlkampfs weitergehen.

Wir bauen die Spannung auf. Wir haben ein paar ungewöhnliche Dinge getan, immer in dem Bestreben, unser Land zu schützen. Lake schob langsam den Stuhl zurück, erhob sich, streckte Arme und Beine und ging am Tisch entlang zum anderen Ende des Raumes.

Die Falle war zugeschnappt: Langsam kehrte er zu seinem Platz zurück. Teddy nickte lächelnd und tat, als dächte er darüber nach. Lakes Haus in Georgetown war Dollar wert. Etwa die Hälfte dieser Summe hatte er in Investmentfonds angelegt, weitere in Kommunalobligationen. Er hatte keine nennenswerten Schulden und in seiner Wahlkampfkasse befanden sich 40 Dollar.

Wieder erschienen Bilder an der Wand, gestochen scharf und in Farbe. Sehen Sie sich das an. Wir werden nur einen Bruchteil davon benötigen.

Ich schätze, wir werden mit Leichtigkeit hundert Millionen kriegen können. Und machen Sie sich darüber keine Sorgen. Das Geld wird schon kommen. Es wird ein Erdrutschsieg werden. Im vergangenen Jahr hatte der Militärhaushalt eine Höhe von Milliarden.

Wenn man das innerhalb von vier Jahren auf Milliarden verdoppelte, würden die Rüstungsunternehmen satte Gewinne einfahren.

Und den Arbeitern würde es gut gehen. Die Löhne und Gehälter würden steil ansteigen. Die Arbeitgeber würden den Kandidaten Lake mit Geld unterstützen und die Gewerkschaften würden ihm Wählerstimmen verschaffen.

Man kassierte das Geld von denen, die von seiner Wahl profitieren würden. Man gewann mit überwältigender Mehrheit. Und rettete damit die Welt. Da gibt es die Gewerkschaften, die Verbände der Ingenieure und leitenden Angestellten, verschiedene Arbeitgebervereinigungen - wir haben jede Menge Auswahl.

Und wir werden noch ein paar Verbände gründen. Hunderte von Interessengruppen, allesamt ausgestattet mit Geld - er würde mehr Mittel zur Verfügung haben als je ein Kandidat zuvor. An die Stelle des Schocks war jetzt Begeisterung getreten.

Unzählige Fragen schössen ihm durch den Kopf: Wer wird mein Vizepräsident sein? Wer leitet die Kampagne? Wen ernenne ich zu meinem Stabschef? Wo soll ich meine Kandidatur bekannt geben? Doch er beherrschte sich. Wir planen diese Sache schon seit einiger Zeit. Man hat Sie sorgfältig ausgewählt, Mr. Es gab viele potenzielle Kandidaten, und Ihr Name tauchte immer wieder ganz oben auf der Liste auf. Wir haben Ihren Hintergrund überprüft.

Nur Ihre Beziehung zu Ms. Valotti macht mir ein wenig Sorgen. Sie ist zweimal geschieden und hat eine Schwäche für Schmerztabletten. Halten Sie sich fern von diesem Quatsch. Überlassen Sie das den Heulsusen aus Hollywood. Valotti bringt Ihnen nichts als Ärger. Seit dem Tod seiner Frau war sein Privatleben nicht gerade aufregend, doch auf einmal war er geradezu stolz auf diese Tatsache. Benchly ist eine attraktive Frau und macht einen stabilen Eindruck. Er war es leid, darüber zu debattieren.

Er war für und gegen die Freigabe von Abtreibungen gewesen, hatte sich für die Selbstbestimmung der Frau und dann wieder für das Recht des ungeborenen Lebens stark gemacht und die Feministinnen hatten ihn abwechselnd unterstützt und bekämpft. Nein, die Abtreibungsfrage schreckte ihn nicht mehr, jedenfalls nicht im Augenblick.

Teddy machte eine wegwerfende Handbewegung. Es wurde niemand verurteilt. Ihr damaliger Partner hat Bankrott gemacht und wurde angeklagt, aber die Geschworenen haben ihn freigesprochen. Man wird das ausgraben - man wird alles ausgraben -, aber wir, Mr. Lake, werden die Aufmerksamkeit auf andere Themen lenken.

Das ist der Vorteil, wenn man seine Kandidatur in letzter Minute erklärt: Die Presse hat nicht genug Zeit, alte Geschichten hervorzukramen. Es hat bisher nur einen einzigen Präsidenten gegeben, der nicht verheiratet war. Das wird kein Thema sein. Sie sind der ideale Kandidat. Wir werden uns um die Themen kümmern, wir werden den Leuten Angst machen und wir werden Geld einsammeln.

Lassen Sie uns morgen noch einmal darüber sprechen, hier, um dieselbe Zeit. Überschlafen Sie es, Mr. Die Zeit drängt, aber ich finde, vor einer solchen Entscheidung sollte man vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit haben. Ich werde darüber nachdenken. Morgen gebe ich Ihnen meine Antwort. Sie befand sich in einer Ecke, die mit Glas und einer unverputzten Ziegelsteinmauer abgetrennt war.

Das Ganze war sehr geschmackvoll ausgeführt und mit Steuergeldern bezahlt worden. In dieser juristischen Bibliothek waren Regale voller häufig benutzter Bücher so dicht aneinander aufgestellt, dass man sich kaum dazwischen hindurchzwängen konnte. In der juristischen Bibliothek regierte die Bruderschaft. Selbstverständlich stand der Raum allen Insassen zur Verfügung, doch es gab ein ungeschriebenes Gesetz, das besagte, dass man die Erlaubnis der Richter brauchte, um sich dort aufzuhalten.

Nun ja, vielleicht musste man sie nicht gerade um Erlaubnis fragen - aber wenigstens in Kenntnis setzen. Richter Hatlee Beech aus Texas war offiziell der Bibliothekar der juristischen Abteilung und wurde mit fünfzig Cent pro Stunde am besten bezahlt. Sein Lohn war deshalb so niedrig, weil er so wenig von Computern verstand. Gewöhnlich verbrachten die drei sechs bis acht Stunden täglich in der juristischen Bibliothek. Wenn einer der Insassen ein juristisches Problem hatte, vereinbarte er einfach einen Termin mit einem der Richter und suchte ihn dort auf.

Finn Yarber kümmerte sich um Konkursverfahren, Scheidungen und Sorgerechtsfragen. Er wollte kein Spezialgebiet. Er schrieb die Briefe. Strenge Regeln verboten es den Richtern, für ihre Beratungen ein Honorar zu verlangen, doch strenge Regeln bedeuteten wenig. Immerhin waren sie ja alle verurteilte Verbrecher, und wen störte es schon, wenn sie ein bisschen nebenbei verdienten?

Bei etwa einem Viertel der Neuankömmlinge in Trumble enthielt die Urteilsbegründung juristische Fehler. Beech konnte sich eine Akte über Nacht vornehmen und etwaige Schlupflöcher finden. Vor einem Monat war es ihm gelungen, für einen jungen Mann, der fünfzehn Jahre bekommen hatte, vier Jahre herauszuschinden. Dessen Familie hatte nur zu gern bezahlt, und so hatte die Bruderschaft ihr bisher höchstes Honorar verdient: Am hinteren Ende der juristischen Bibliothek befand sich ein kleines Besprechungszimmer, dessen verglaste Tür hinter Regalen verborgen und daher vom Hauptsaal aus kaum zu sehen war.

Es interessierte sich ohnehin niemand dafür, was dort geschah. In diesen Raum zogen sich die Richter zurück, wenn sie vertrauliche Dinge zu besprechen hatten. Sie nannten ihn das Richterzimmer.

Spicer hatte soeben Besuch von ihrem Anwalt gehabt, der ihm Post gebracht hatte - ein paar wirklich erfreuliche Briefe. Ein Brief für Ricky. Curtis ist der mit den Schmuckgeschäften. Dein Brief vom 8. Januar hat mich zum Weinen gebracht. Ich habe ihn dreimal gelesen, bevor ich ihn aus der Hand legen konnte. Warum lassen sie dich nicht raus? Am liebsten würde ich auf der Stelle kommen und diese verbrecherischen Leute zur Rede stellen.

Und deinen Onkel ebenfalls. Was für ein Versager! Reiche Leute wie er denken immer, wenn sie Geld schicken, brauchen sie sich nicht selbst zu kümmern. Ich habe dir ja schon geschrieben, dass mein Vater sehr reich war, aber zugleich war er auch der unglücklichste Mensch, den ich je gekannt habe. Er hatte nie Zeit für mich. Er war ein kranker Mann, genau wie dein Onkel. Für den Fall, dass du irgendetwas aus dem Klinikladen brauchst, habe ich einen Scheck über Dollar beigelegt.

Ach, Ricky, ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen. Ich habe meiner Frau gesagt, dass in Orlando im April eine internationale Diamantenschau stattfindet, und sie hat keine Lust, mich zu begleiten.

Wir müssen uns unbedingt in Orlando treffen. Bist du sicher, dass sie dich im April rauslassen? Bitte sag, dass es so ist! Es vergeht keine Stunde, in der ich nicht an dich denke. Percy hatte fünf Angeln ausgeworfen, die er langsam einholte. Er koordinierte alles, half beim Ausdenken der Geschichten, sorgte dafür, dass sie stimmig waren, und hielt den Kontakt zu dem Anwalt, der ihnen die Post brachte. Und er kümmerte sich um das Geld. Er zog einen zweiten Brief hervor und verkündete: Aus den sechs Briefen, die Quince an Ricky geschrieben hatte, war hervorgegangen, dass er ein reicher Bankier aus einer kleinen Stadt in Iowa war.

Wie alle anderen hatten sie ihn durch eine Kontaktanzeige in den Schwulenmagazinen gefunden, die jetzt in der juristischen Bibliothek versteckt waren. Er war der zweite, der angebissen hatte - der erste hatte Verdacht geschöpft und nicht mehr geantwortet.

Quinces Foto war ein Schnappschuss am Ufer eines Sees und zeigte ihn im Kreis seiner Familie, mit nacktem Oberkörper und dem Schmerbauch, den dünnen Armen, dem schütteren Haar eines Einundfünfzigjährigen. Es war ein schlechtes Foto, das Quince zweifellos deshalb ausgesucht hatte, weil es nicht leicht sein würde, ihn zu identifizieren, sollte es jemand versuchen.

Der nahm ihn und betrachtete den Umschlag. Beech räusperte sich und las vor: Ich kann's noch gar nicht fassen, aber ich hab's wirklich getan. Ich bin in eine Telefonzelle gegangen und hab das Geld per Postanweisung überwiesen, so dass es nicht zurückverfolgt werden kann - ich glaube, ich habe keine Spuren hinterlassen. Die New Yorker Agentur, die du mir empfohlen hast, war hervorragend - sehr diskret und hilfsbereit.

Ich will ehrlich sein, Ricky: Ich hatte eine Heidenangst. Bis vor ein paar Wochen wäre es mir nicht im Traum eingefallen, eine Kreuzfahrt mit lauter Homosexuellen zu buchen. Aber soll ich dir was sagen? Ich bin so stolz auf mich! Wir haben eine Luxuskabine für tausend Dollar die Nacht. Ich kann's kaum erwarten. Ich werde am neunten in Miami ankommen, so dass wir nur wenig Zeit haben werden, uns kennen zu lernen.

Treffen wir uns doch auf dem Schiff, in unserer Kabine. Ich werde als Erster da sein, meine Sachen in die Kabine bringen lassen, den Champagner kalt stellen und auf dich warten. Drei Tage, nur für uns allein! Wenn es nach mir geht, werden wir die ganze Zeit im Bett verbringen. Beech konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, doch irgendwie gelang es ihm, dabei angeekelt den Kopf zu schütteln. Endlich habe ich beschlossen, herauszufinden, wer ich wirklich bin, und du, Ricky, hast mir den Mut gegeben, den ersten Schritt zu tun.

Obwohl wir uns bis jetzt nur brieflich kennen, kann ich dir gar nicht genug danken. Bitte schreib mir so schnell wie möglich und gib auf dich Acht, mein Ricky. Über deinen Brief vom vierzehnten Januar habe ich mich sehr gefreut. Wie schön, dass du die Schwulen-Kreuzfahrt gebucht hast. Das klingt wirklich faszinierend. Es gibt nur ein einziges kleines Problem: Ich werde nicht dabei sein können, und das hat mehrere Gründe.

Einer davon ist, dass ich erst in ein paar Jahren entlassen werde. Ich bin nämlich nicht in einer Drogenklinik, sondern im Gefängnis. Und ich bin alles andere als schwul. Ich habe eine Frau und zwei Kinder und denen geht es finanziell gar nicht gut, weil ich ja im Knast sitze und sie nicht unterstützen kann. Und das ist der Punkt, an dem du ins Spiel kommst, Quince: Ich brauche etwas von deinem Geld. Ich will hunderttausend Dollar. Nennen wir es einfach Schweigegeld.

Du schickst es mir und ich vergesse diese ganze Ricky-Geschichte und die Schwulen-Kreuzfahrt und kein Mensch in Bakers, Iowa, wird je etwas davon erfahren, weder deine Frau noch deine Kinder, dein Vater oder der Rest deiner reichen Familie. Das Ganze nennt sich Erpressung, Quince, und du bist in die Falle getappt. Es ist grausam, gemein und ein Verbrechen, aber das ist mir egal.

Du hast Geld und ich brauche welches. Männer, die ihnen in die Falle gingen, würden wohl kaum zur Polizei laufen und Anzeige wegen Erpressung erstatten. Doch bisher hatten sie noch keinen erpresst. Sie standen in Briefkontakt mit rund einem Dutzend potenziellen Opfern - allesamt Männer in mittleren Jahren, die den Fehler begangen hatten, auf diese Kleinanzeige zu antworten: Spicer war die Aufgabe zugefallen, die Briefe durchzusehen und die reichen Opfer herauszusieben.

Anfangs war er widerwillig gewesen, doch nach und nach hatte er Gefallen daran gefunden. Und jetzt war es auf einmal ein Geschäft, denn sie waren im Begriff, einen vollkommen unschuldigen Menschen um Dollar zu erpressen. Ihr Anwalt würde ein Drittel der Summe einstecken. Das war der übliche Tarif, aber dennoch ein frustrierend hoher Anteil.

Doch es blieb ihnen keine andere Wahl. Er war für die Durchführung unerlässlich. Sie feilten noch eine Stunde lang an dem für Quince bestimmten Brief und beschlossen dann, die Sache noch einmal zu überschlafen, bevor sie die Endfassung schrieben.

Es war noch ein weiterer Brief gekommen, und zwar von einem Mann, der das Pseudonym Hoover gebrauchte. Er verriet nichts Persönliches und erwähnte Geld mit keinem Wort. Die drei beschlossen, ihm etwas mehr Zeit zu lassen. Sie würden von Vögeln schreiben und versuchen, das Thema körperliche Liebe anzuschneiden. Wenn Hoover den Wink ignorierte und nicht deutlicher wurde, was seine finanzielle Situation betraf, würden sie ihn fallen lassen.

Es gab Gefangene in Trumble, aber nur wenige wollten fliehen. Das Gefängnis war angenehmer als die meisten Schulen. Es gab klimatisierte Zellen, eine saubere Cafeteria mit täglich drei warmen Mahlzeiten, einen Fitnessraum, Billardtische, Kartenspiele, Squash, Basketball, Volleyball, eine Aschenbahn, eine Bibliothek, eine Kapelle, diverse Geistliche, Berater, Sozialarbeiter und unbegrenzte Besuchszeiten.

In Trumble hatte man es so gut, wie man es als Gefangener nur haben konnte. Alle Insassen galten als leichte Fälle.

Etwa 40 hatten Banküberfälle begangen, ohne jemanden zu verletzen oder ernsthaft zu bedrohen. Floyd ein, ein Chirurg, der das staatliche Gesundheitsvorsorge-Programm im Lauf von zwei Jahrzehnten um sechs Millionen Dollar betrogen hatte.

Gewalt wurde in Trumble nicht geduldet und echte Drohungen waren selten. Es gab zahlreiche Regeln und die Gefängnisleitung hatte kaum Schwierigkeiten, sie durchzusetzen. Die Gefangenen in Trumble benahmen sich gut, zählten die Tage und hatten ein angenehmes Leben. Vor seinem tiefen Fall hatte er von den berühmten Angola-Erpressungen gehört. In Angola, dem Staatsgefängnis von Louisiana, hatten einige Insassen die Erpressung von Homosexuellen derart perfektioniert, dass sie, bevor man ihnen auf die Schliche gekommen war, ihren Opfern rund Dollar abgenommen hatten.

Spicer stammte aus einer ländlichen Gegend nicht weit von der Grenze zu Louisiana und die Angola-Sache wurde dort eifrig diskutiert. Nicht im Traum wäre ihm eingefallen, sie zu kopieren, doch dann erwachte er eines Tages im Bundesgefängnis und beschloss, jeden Menschen auszunehmen, den er zu fassen bekommen konnte. Jeden Tag um ein Uhr marschierte er um die Aschenbahn, gewöhnlich allein, immer mit einer Packung Marlboro in der Tasche.

Vor seiner Verurteilung hatte er zehn Jahre nicht geraucht; jetzt war er wieder bei zwei Päckchen pro Tag. Also marschierte er, um den Schaden für seine Lunge zu minimieren. Für den Gewichtsverlust war wohl eher das Bierverbot verantwortlich.

Sie hatte ihm geholfen, den Rest der Beute zu verjubeln - insgesamt Dollar, obgleich die Bundespolizei nur den Verbleib der Hälfte des Geldes hatte klären können. Sie hatten Cadillacs gekauft und waren erster Klasse von New Orleans nach Las Vegas geflogen und dort waren sie auf Casinokosten in Limousinen herumgefahren worden und hatten in Luxussuiten gewohnt. Sofern er noch irgendwelche Träume hatte, war einer davon, Berufsspieler mit Hauptwohnsitz in Las Vegas zu werden, aber in Casinos in aller Welt bekannt und gefürchtet zu sein.

Sein bevorzugtes Spiel war Blackjack, und obwohl er viel Geld verloren hatte, war er überzeugt, dass er jede Bank sprengen konnte. In der Karibik gab es Casinos, die er noch nicht kannte. Er würde um die Welt reisen, erster Klasse, mit seiner Frau oder ohne sie, er würde in teuren Hotels absteigen, sich Essen und Drinks in seiner Suite servieren lassen und jeden Blackjack-Geber, der dumm genug war, ihm Karten auszuteilen, das Fürchten lehren.

Er würde die 90 in seinem Garten ausgraben, sie zu seinem Anteil aus den Erpressungen hinzufügen und nach Las Vegas ziehen. Mit seiner Frau oder ohne sie. Sie war seit vier Monaten nicht mehr in Trumble gewesen und dabei war sie früher alle drei Wochen gekommen. Er hatte Alpträume, in denen sie den Garten umpflügte und nach dem Geldversteck suchte. Er war beinahe überzeugt, dass sie nichts von dem Geld wusste, aber es blieben doch ein paar Zweifel. Zwei Tage vor seinem Strafantritt hatte er getrunken und die 90 Dollar erwähnt.

Er konnte sich nicht mehr an den Wortlaut erinnern. Sosehr er sich auch das Hirn zermarterte - es fiel ihm nicht mehr ein, was er ihr erzählt hatte. Nach dem ersten Kilometer zündete er sich noch eine Marlboro an. Möglicherweise hatte sie inzwischen einen Freund. Was wäre, wenn sie und ihr Geliebter das Geld gefunden hatten und bereits dabei waren, es auf den Kopf zu hauen? Einer von Joe Roys übelsten und immer wiederkehrenden Alpträumen war eine Szene aus einem schlechten Film: Rita und ein ihm unbekannter Mann standen im strömenden Regen und gruben mit Schaufeln den Garten um.

Warum es in seinem Traum regnete, wusste er nicht. Aber es war immer Nacht. Ein Gewitter tobte, und im Licht der Blitze konnte er sehen, wie sie gruben und dem Schuppen immer näher kamen. Joe Roy sehnte sich nach Geld. Er fühlte es geradezu in seinen Händen. Solange er in Trumble war, würde er aus den Opfern ihrer Erpressung so viel herausholen, wie er nur konnte, und dann würde er das vergrabene Geld holen und nach Las Vegas fliegen.

Niemand in seiner Heimatstadt sollte das Vergnügen haben, mit dem Finger auf ihn zu zeigen und zu flüstern: Sieht so aus, als hätten sie ihn aus dem Knast entlassen. Mit ihr oder ohne sie. Sie waren am Rand des Tisches aufgereiht wie kleine Scharfrichter, die nur darauf warteten, ihn von seinen Schmerzen zu befreien. Teddy hatte jetzt die Augen geschlossen und massierte seine Schläfen. Irgendwo zwischen ihnen, irgendwo tief in seinem Gehirn, waren die Namen von Lakes Freunden, Vertrauten und Geldgebern, seinen Wahlkampfhelfern und Highschool-Lehrern ordentlich gespeichert und bei Bedarf abrufbereit.

Nur die üblichen Fragen, wie man sie von einem erwartet, der über einen so überraschenden Schritt nachdenkt. Seine Freunde waren verwundert, teilweise sogar schockiert und ein bisschen zurückhaltend, aber davon werden sie sich schon erholen.

Er hat ausweichend geantwortet und gesagt, das werde kein Problem sein. Er hat elf Anrufe von seinem Büro und acht von seinem Haus geführt. Keinen einzigen von seinem Handy. Sie haben im Grunde die Kampagne geplant. Schiara will, dass er kandidiert. Sie wollen Nance aus Michigan als Vize. Wir überprüfen ihn gerade. Man hat ihm den Schlüssel zum Königreich angeboten. Er schreibt bereits Reden. Dann glättete er mit der Hand die Falten auf seiner Stirn und sagte: Dass dieser Typ keine Leichen im Keller hat.

Wir haben ihn sechs Monate lang überwacht. Weit und breit nichts, was uns Sorgen machen müsste. Er ist mit verschiedenen Frauen ausgegangen, hat aber keine ernsten Absichten. Er hat wirklich eine reine Weste. Eine weitere Wiederholung konnte nicht schaden.

Er ist sauber, nüchtern, ordentlich, intelligent - ziemlich bemerkenswert. Er ging noch schneller als am Tag zuvor und hielt sich noch aufrechter. Sein Rücken war kerzengerade. Er schien mit jeder Stunde zu wachsen. Man tauschte einige Höflichkeitsfloskeln aus. York war nicht weit von ihnen entfernt in einem anderen Raum, in dem drei mit versteckten Kameras verbundene Monitore jedes Wort, jede Bewegung wiedergaben.

Ich wusste nicht, dass es sich dabei um ein Geschäft handelt. Lake, genau darum handelt es sich: Wir versprechen Ihnen, dass Sie gewählt werden, und Sie versprechen uns, dass Sie die Militärausgaben verdoppeln und den Russen Paroli bieten werden. Das freut mich sehr. Sie werden einen hervorragenden Kandidaten und einen noch besseren Präsidenten abgeben. Es erschien ihm zu einfach.

Und so sehr er sich auch bemühte - er konnte den Verlockungen nicht widerstehen. All die Hubschrauber und Düsenflugzeuge. Er würde durch die ganze Welt reisen. Hundert Assistenten würden ihm zur Verfügung stehen. Staatsbankette mit den mächtigsten Männern der Welt. Oh ja, sie waren im Geschäft. Wenn der Pulverdampf sich verzogen hat.

Wenn die Gewinner ihre fünfzehn Minuten Fernsehzeit gehabt und die Verlierer mit Dreck um sich geworfen haben - dann kommen Sie und geben Ihre Kandidatur bekannt. Es ist unerlässlich, dass Sie in diesen beiden Staaten gewinnen. Damit präsentieren Sie sich nämlich als ernsthafter Kandidat und fahren mit vollen Segeln in den März. Wenn Sie aber am selben Tag auch in Michigan als Sieger hervorgehen, werden Sie ein Kandidat sein, mit dem man rechnen muss. Ich kenne den Vorstandsvorsitzenden.

Allerdings sind die Leute, die wir hier im Haus haben, weit besser und die werden Sie keinen Cent kosten. Nicht dass Geld ein Problem sein wird, wenn Sie verstehen, was ich meine. Jedenfalls werden wir noch heute mit den Fernsehspots anfangen. Ich glaube, sie werden Ihnen gefallen. Sie werden sehr düster sein: Die Apokalypse - so was in der Art. Die Dinger werden den Leuten eine Heidenangst einjagen.

Geld sichert Fernsehzeit und Meinungsumfragen und mehr brauchen wir nicht. Und unsere Botschaft ist weit wichtiger als Steuersenkungen und Minderheitenförderung und Abtreibung und Vertrauen und Familie und all die anderen albernen Dinge, von denen wir so oft hören.

Unsere Botschaft ist Leben oder Tod. Unsere Botschaft wird die Welt verändern und unseren Wohlstand sichern. Und das ist es, was uns wirklich bewegt. Die Leute würden jeden wählen, solange er der amerikanischen Wirtschaft Vorteile verschaffte und den Frieden bewahrte. Er wollte ebenfalls etwas anbieten. Er ist mein engster Berater. Ich vertraue ihm vollkommen.

Immerhin ist es Ihre Kampagne. Das war gut zu hören. Senator Nance aus Michigan ist ein alter Freund von mir. Gouverneur Guyce aus Texas wäre auch nicht schlecht. Keine schlechten Kandidaten, wirklich, auch wenn Guyce nicht in Frage kam. Dann also Nance, hätte Lake beinahe gesagt. Sie sprachen eine Stunde lang über Geld: Dann über die zweite Welle von der Rüstungsindustrie. Es sollte noch eine vierte Geldwelle geben, von der Lake nie erfahren würde. In Zusammenarbeit mit Leuten vor Ort, die bereits ausgesucht wurden, würde man jede Stimme kaufen, die zu haben war.

Trevors kleine Anwaltskanzlei war in Neptune Beach, ein paar Blocks von Atlantic Beach entfernt, obgleich niemand sagen konnte, wo das eine aufhörte und das andere anfing. Jacksonville lag einige Meilen weiter westlich und kroch unaufhaltsam in Richtung Küste. Die Kanzleiräume befanden sich in einem umgebauten Ferienhaus und von der durchhängenden hinteren Veranda aus konnte Trevor den Strand und das Meer sehen und die Schreie der Möwen hören.

Er fand es beinahe unglaublich, dass er das Ding jetzt schon seit zwölf Jahren gemietet hatte. Anfangs hatte er gern auf der hinteren Veranda gesessen, wo ihn das Telefon und etwaige Mandanten nicht störten, und stundenlang auf die nur zwei Blocks entfernte Weite des Atlantiks gestarrt.

Er stammte aus Scranton, North Dakota, und wie alle, die sich aus der Kälte hierher geflüchtet hatten, war er es nach einer Weile leid geworden, aufs Meer zu sehen, barfuss am Strand entlang zu laufen und den Möwen Brotkrumen zuzuwerfen. Inzwischen schlug er die Zeit lieber in seinem verschlossenen Büro tot.

Trevor hatte eine Heidenangst vor Richtern und Gerichtssälen. Das war zwar ungewöhnlich und in gewissem Sinne sogar ehrenwert, engte ihn aber auch in seiner Berufsausübung ein. Er musste sich auf Schreibtischarbeit beschränken, auf Grundstücksüberschreibungen, Testamente, Kaufverträge und Bauanträge - all die kleinen, langweiligen, geisttötenden Vorgänge, von denen ihm während des Jurastudiums niemand erzählt hatte.

Binnen kurzem war er der offizielle Anwalt der drei ehemaligen Richter Spicer, Beech und Yarber - der Bruderschaft, wie auch er sie nannte. Er war nicht mehr und nicht weniger als ein Kurier und schmuggelte Briefe, die als anwaltliche Dokumente deklariert waren und somit nicht kontrolliert werden durften. Er gab ihnen keine fachlichen Ratschläge, und sie fragten ihn auch nicht danach.

Er verwaltete ihre ausländischen Konten und nahm die Anrufe von Familienangehörigen ihrer in Trumble einsitzenden Mandanten entgegen. Er war der Verbindungsmann für ihre schmutzigen kleinen Geschäfte, und weil er dadurch Gerichtssälen, Richtern und gegnerischen Anwälten aus dem Weg gehen konnte, war Trevor damit ganz zufrieden. Diese Angola-Sache war absolut brillant, denn die Opfer würden nie und nimmer zur Polizei gehen. Trevor war bereit, das Risiko einzugehen. Er schlich sich aus dem Büro, ohne von seiner Sekretärin gesehen zu werden, und fuhr in seinem restaurierten VW-Käfer - Baujahr , keine Klimaanlage - davon.

Zwischen den Häusern hindurch war das Meer zu sehen. Bald kam er an Pete's Bar and Grill vorbei, der ältesten Bar am Strand, die zugleich seine Stammkneipe war, auch wenn sie inzwischen von den College-Studenten entdeckt worden war. Am Atlantic Boulevard bog er nach Westen ab, kämpfte sich durch den Verkehr in Richtung Jacksonville und fluchte auf die wuchernde Stadt, die Staus und die Wagen mit kanadischen Nummernschildern.

Fünfzig Minuten später parkte er auf dem Parkplatz von Trumble. Jede Menge Parkplätze in der Nähe des Haupteingangs, hübsch gestaltete, von den Insassen täglich gepflegte Grünflächen und moderne, saubere Gebäude. Alles blitzte und blinkte und es war niemand zu sehen. Kein Wunder an einem Werktag. Sie gingen zu einem der Anwaltszimmer. Die Überwachungskameras konnten sie hier, hinter der Tür, nicht erfassen.

Wie immer tat Spicer so, als hätte er nichts gesehen. Der Aktenkoffer wurde geöffnet, damit Link seinen Inhalt flüchtig untersuchen konnte. Er tat das, ohne etwas zu berühren. Link nahm den Umschlag, bog ihn durch, um sich davon zu überzeugen, dass er keine Waffe oder ein Tablettenröhrchen enthielt, und gab ihn Trevor zurück. Sie hatten das bereits Dutzende Male gemacht. Die Vorschriften besagten, dass beim Öffnen der Umschläge ein Aufseher anwesend sein musste, doch die beiden Zwanziger sorgten dafür, dass Link hinausging und Posten vor der Tür bezog, weil es im Augenblick einfach nichts anderes zu bewachen gab.

Er wusste, dass Briefe ausgetauscht wurden, aber das war ihm egal. Es gab hier ohnehin zu viele idiotische Vorschriften. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Tür und es dauerte nicht lange, bis er halb eingedöst war, das eine Bein gestreckt, das andere leicht angewinkelt. Im Anwaltsraum wurden keine juristischen Fragen erörtert. Spicer war noch immer in die Basketball-Ergebnisse vertieft.

Die meisten anderen Insassen freuten sich über Besuch, Spicer dagegen nahm ihn lediglich in Kauf. Sein Bruder sagt, in Trumble ist ein ehemaliger Bundesrichter, der sich die Unterlagen angesehen hat und möglicherweise ein paar Jahre Strafnachlass rausholen kann. Dieser Richter will dafür aber Geld sehen. Also hat Daggett seinen Bruder angerufen und der wiederum hat mich angerufen. In Wirklichkeit hatte er nur ein einziges Mal einen Bundesgerichtssaal betreten, und zwar am Tag seiner Verurteilung.

Bei seiner Verhandlung hatte der Junge einen Pflichtverteidiger. Mindestens tausend, und zwar im Voraus. Er ist kein Verbrechertyp. Joe Roy war der Geschäftsführer der Bruderschaft. Spicer dagegen, der über wenig Talent und keinerlei juristische Ausbildung verfügte, wusste genug über Menschenführung, um seine Kollegen auf Kurs zu halten.

Während sie trüben Gedanken nachhingen, träumte er von einem Comeback. Joe Roy öffnete einen Schnellhefter und entnahm ihm einen Scheck. Von einem Brieffreund namens Curtis aus Texas. Quince aus lowa ist jetzt fällig. Ich hab ihm geschrieben, wohin er das Geld überweisen soll. Sag der Bank Bescheid. Auf einmal sah er das Geld vor sich und glaubte es schon in Händen zu haben, und obwohl er sich bemühte, nicht daran zu denken, begann er es bereits auszugeben. Er würde seinen geliebten Käfer behalten, sich aber vielleicht eine Klimaanlage spendieren.

Er hatte zwei weitere Briefe, beide geschrieben von Richter Yarber, der dazu in Percys Rolle geschlüpft war, des jungen Mannes in der Drogenklinik. Trevor nahm sie voller Vorfreude an sich. Kentucky ist sehr heimstark. Link warf hin und wieder einen Blick durch das Fenster und runzelte missbilligend die Stirn.

Kartenspiele während der Besuchszeit waren verboten, aber darum kümmerte sich ohnehin niemand. Joe Roy spielte hart und aggressiv, denn er wollte für seine bevorstehende Karriere trainieren. Trevor war zwar nicht besonders gut, aber immer bereit zu einem Spielchen.

In Spicers Augen war dies das Einzige, was für ihn sprach. Das bedeutete acht bezahlte Stunden zu einem Durchschnittssatz von 22 Dollar 40, doch das kümmerte den Vorstand wenig. Sie hatten ihren Wunschkandidaten gefunden. Die eilig errichtete Bühne war ebenfalls mit Fähnchen geschmückt und mit allen verfügbaren Anzugträgern aus den mittleren und oberen Etagen besetzt, die allesamt breit lächelten und wild klatschten, während die Musik die Anwesenden in Schwung brachte.

Noch vor drei Tagen hatte praktisch niemand hier gewusst, wer Aaron Lake eigentlich war. Jetzt war er ihr Retter. Er sah jedenfalls aus, wie man sich einen Präsidentschaftskandidaten vorstellte. Ein neuer Berater hatte ihm einen neuen, schneidigeren Haarschnitt vorgeschlagen und er trug einen dunkelbraunen Anzug, zu dem ihn ein anderer Berater überredet hatte.

Nur Reagan hatte braune Anzüge tragen können und der hatte immerhin zwei überwältigende Wahlsiege errungen. Als Lake endlich energischen Schrittes auf die Bühne trat und die Hände der leitenden Angestellten schüttelte, deren Gesichter er wenige Stunden später vergessen haben würde, brachen die Arbeiter in begeisterten Jubel aus.

Der Tontechniker stellte die Lautstärke der Musik noch ein wenig höher. Lakes Leute hatten ihn und sein Team für 24 Dollar eigens für diesen Auftritt angeheuert. Geld spielte kaum eine Rolle. Ballons fielen wie Manna von der Decke.

Einige wurden von Arbeitern, die man zuvor dazu aufgefordert hatte, zum Platzen gebracht, so dass im Hangar eine Geräuschkulisse entstand, die an die erste Welle eines Sturmangriffs erinnerte. Macht euch bereit für einen Krieg. Wählt Lake, bevor es zu spät ist. Der Vorstandsvorsitzende umarmte Lake, als wären sie uralte Freunde - dabei waren sie sich zwei Stunden zuvor zum ersten Mal begegnet. Dann trat der Vorstandsvorsitzende ans Rednerpult und wartete, bis der Lärm sich gelegt hatte.

Er zog ein Blatt mit Notizen hervor, die man ihm am Vortag gefaxt hatte, und begann mit einer weitschweifigen und ziemlich wohlwollenden Vorstellung Aaron Lakes, des zukünftigen Präsidenten. Auf Zeichen wurde er fünfmal durch Applaus unterbrochen.

Lake winkte wie ein siegreicher Held und wartete einige Sekunden, bevor er ans Mikrofon trat und verkündete: Als er lange genug gewartet hatte, begann er mit seiner Rede. Sein Thema, sein Programm, sein einziger Grund für die Kandidatur war die nationale Sicherheit und er schnurrte die bestürzenden Zahlen herunter, die bewiesen, wie gründlich die gegenwärtige Regierung das Militär vernachlässigt hatte.

Kein anderes Thema sei von vergleichbarer Bedeutung, sagte er mit schonungsloser Offenheit. Das Land brauche nur in einen Krieg verwickelt zu werden, den es nicht gewinnen könne, und schon würden die alten Streitigkeiten über die Abtreibung, die Rassenfrage, die Waffenkontrolle, die Förderung von Minderheiten, die Steuergesetzgebung nebensächlich sein. Traditionelle Familienwerte seien in Gefahr? Sobald Soldaten im Kampf fielen, werde man Familien mit echten Problemen sehen.

Lake war sehr gut. Er hatte die Rede selbst geschrieben. Seine neuen Berater hatten sie bearbeitet, einige Spezialisten hatten daran gefeilt und gestern Abend hatte er sie dann Teddy Maynard im Bunker von Langley vorgetragen. Teddy hatte nur noch ein paar kleine Änderungen vorgenommen und sie abgesegnet.

York war bei ihm und schwieg wie gewöhnlich. Irgendwann sagte York leise: Etwa in der Mitte seiner Rede wurde Lake herrlich wütend auf die Chinesen.

In Wirklichkeit waren es eher 50 Prozent, doch Teddy hatte beschlossen, die Zahl ein wenig niedriger anzusetzen. Diese Strategie hatte Teddy sich ausgedacht: Er sollte nicht die Russen, sondern die Chinesen gebrauchen, um den amerikanischen Wählern Angst einzujagen.

Der wahre Feind, die wahre Bedrohung sollte erst im Lauf des Wahlkampfs enthüllt werden. Lakes Timing war nahezu perfekt. Am Schluss seiner Rede stand der Hangar Kopf.

Als er versprach, den Militärhaushalt in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit zu verdoppeln, brachen die Arbeiter und Angestellten des Unternehmens, das Kampfhubschrauber herstellte, in wilden Jubel aus. Teddy sah schweigend zu und war sehr stolz auf seinen Kandidaten. Sie hatten es geschafft, den Vorwahlen in New Hampshire die Schau zu stehlen, indem sie sie einfach ignoriert hatten. Lakes Name hatte dort nicht auf der Liste gestanden und er war seit Jahrzehnten der erste Kandidat, der mit Genugtuung auf diese Tatsache hingewiesen hatte.

Der CNN-Reporter gab wieder zurück ins Studio, wo Journalisten und Kommentatoren die nächsten fünfzehn Minuten damit verbringen würden, den Zuschauern zu erklären, was sie gerade gesehen hatten.

Teddy drückte ein paar Knöpfe auf dem Tisch und auf der Leinwand erschien ein neues Bild. Er begann mit einer kurzen Einstellung, die eine Reihe grimmig blickender chinesischer Generäle zeigte. Sie nahmen eine Militärparade ab, und vor ihnen rollten Kolonnen mit schwerem Gerät vorbei. Dann kamen kurze Aufnahmen der aktuellen Bösewichter der Welt, die allesamt Militärparaden abnahmen: Saddam Hussein, Gaddafi, Milosevic, Kim.

Eine zweite Explosion, und Tausende von Pakistanis taten dasselbe. Sie klang heller, und im Bild erschien ein mit zahlreichen Orden geschmückter General, der zu den Mitgliedern eines Kongressausschusses sprach. Das diesjährige Verteidigungsbudget ist niedriger als vor fünfzehn Jahren.

Sie erwarten von uns, für einen Krieg in Korea, im Nahen Osten und jetzt auch auf dem Balkan gerüstet zu sein, aber die Ausgaben für das Militär sinken und sinken. Die Situation ist kritisch. Jetzt gibt es keine mehr. Ihnen ist unbehaglich zumute, nicht? Wir werden das eine Woche lang zu allen möglichen Zeiten im Fernsehen laufen lassen, und ich nehme an, dass die bislang geringe Zustimmung für Lake noch mehr abnehmen wird.

Dieser Spot erzeugt Unbehagen, und das wird den Leuten nicht gefallen. Den Leuten würde tatsächlich unbehaglich zumute sein, und sie würden die Spots nicht mögen. Aber dann würde man ihnen Angst machen, und Lake würde auf einmal ein visionärer Führer sein. Teddy hatte vor, die Angst zu erzeugen. In Trumble gab es in jedem Flügel zwei Fernsehzimmer -kleine, kahle Räume, in denen man rauchen und sich die Sendungen ansehen konnte, die die Wärter ausgesucht hatten.

Es gab keine Fernbedienung. Das hatte man probiert, aber es hatte zu viel Ärger gegeben. Die bei weitem schlimmsten Streitigkeiten waren immer dann ausgebrochen, wenn die Männer sich nicht auf ein Programm hatten einigen können.

Also lag die Programmgestaltung bei den Wärtern. Die Gefangenen durften in ihren Zellen keine Fernsehgeräte haben. Der Dienst habende Wärter hatte eine Vorliebe für Basketball. Hatlee Beech hasste Sport.

Als er noch Richter mit einem Zwölf-Stunden-Tag gewesen war, hatte er nie ferngesehen. Dafür war einfach keine Zeit gewesen. Er hatte zu Hause ein Arbeitszimmer gehabt, in dem er bis spät in der Nacht Urteilsbegründungen auf ein Diktiergerät sprach, während alle anderen vor dem Fernseher klebten.

Als er sich jetzt dieses geistlose Zeug ansah, begriff er, wie viel Glück er gehabt hatte. Und zwar in vielerlei Hinsicht. Er zündete sich eine Zigarette an.

Seit dem Studium hatte er nicht mehr geraucht und in den ersten zwei Monaten in Trumble hatte er der Versuchung noch widerstanden. Jetzt half ihm das Rauchen, die Langeweile zu ertragen, doch er beschränkte sich auf eine Schachtel täglich. Sein Blutdruck war mal zu hoch, mal zu niedrig. Herzkrankheiten waren in seiner Familie häufig. Er war sechsundfünfzig, hatte noch neun Jahre vor sich und war überzeugt, dass er Trumble in der Kiste verlassen würde.

Drei Jahre, einen Monat und eine Woche war er nun schon hier. Er zählte noch immer die Tage und er zählte auch die Tage bis zu seiner Entlassung. Vor kaum vier Jahren noch war er ein harter, frisch ernannter Bundesrichter gewesen, der eine glänzende Karriere vor sich hatte.

Vor vier verdammten Jahren. Wenn er in Ost-Texas von einem Gericht zum anderen reiste, wurde er von einem Fahrer, einer Sekretärin, einem juristischen Berater und einem U. Wenn er einen Gerichtssaal betrat, erhoben die Leute sich aus Respekt vor ihm. Seine Frau war nicht sehr liebenswert, aber angesichts ihres Vermögens, das aus dem familieneigenen Öltrust stammte, schaffte er es, friedlich mit ihr zusammenzuleben. Die Ehe war nicht gerade von Liebe erfüllt, aber immerhin stabil und drei gut geratene Kinder auf dem College waren etwas, auf das man stolz sein konnte.

Seine Frau und er hatten stürmische Zeiten hinter sich und waren entschlossen, zusammen alt zu werden. Sie hatte das Geld und er hatte den Status. Was sollte die Zukunft schon noch bereithalten? Gewiss nicht das Gefängnis. Das Trinken kam aus dem Nichts. Vielleicht fing er wegen der Arbeitsbelastung damit an, vielleicht auch, um der Nörgelei seiner Frau zu entgehen.

Nach dem Studium trank er jahrelang nur wenig und dann auch nur in Gesellschaft. Es war nichts Ernsthaftes und ganz gewiss keine Sucht. Einmal, als die Kinder noch klein waren, flog seine Frau mit ihnen für zwei Wochen nach Italien.

Beech blieb allein zu Hause und das war ihm sehr recht. Aus irgendeinem Grund, an den er sich nicht erinnerte und den er auch nicht rekonstruieren konnte, begann er Bourbon zu trinken. Er trank viel und hörte nicht mehr auf. Der Whiskey wurde zu einem wichtigen Bestandteil seines Lebens. Er hatte immer eine Flasche in seinem Arbeitszimmer und genehmigte sich spät abends ein paar Gläser. Da er und seine Frau getrennte Schlafzimmer hatten, fiel ihr das nur selten auf. Er lernte die junge Frau in einer Bar in Jackson Hole kennen.

Nachdem sie stundenlang Whiskey in sich hineingeschüttet hatten, kamen sie auf die verhängnisvolle Idee, eine Spritztour zu machen. Während Hatlee fuhr, zog sie sich ohne besonderen Grund aus.

Sex stand nicht zur Debatte, und er war inzwischen so betrunken, dass er ohnehin keine Pläne in dieser Richtung verfolgte. Die beiden Wanderer aus Washington, D. Die Frau war nackt und bewusstlos.

Er konnte sich an nichts erinnern. Als er Stunden später erwachte, sah er zum ersten Mal in seinem Leben eine Gefängniszelle von innen. Beech setzte alle nur erdenklichen Hebel in Bewegung und forderte alle Gefallen ein, die er jemals jemandem erwiesen hatte, doch es war zwecklos.

Zwei junge Leute waren gestorben. Er war in Begleitung einer nackten Frau gewesen. Niemand trat für den Ehrenwerten Hatlee Beech ein.

Siehe auch:

Er lernte die junge Frau in einer Bar in Jackson Hole kennen. Sachsen Anhalt Nordrhein Westf.

Closed On:

Da kommt doch noch etwas, dachte ich.

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